Reuinted… Mal wieder

Zwei Wochen ist Vincent nun alleine unterwegs gewesen. Doch heute ist es soweit, ich darf Vincent wieder mit meiner überaus bereichernden Präsenz beehren. Man hat sich schon irgendwie an die blöden Kommentare des anderen gewöhnt und ich freue mich auch schon wieder auf die banalen und sinnlosen aber auch auf die verträumten oder guten Gespräche.

Abends lande ich in Ankara. Puh, na das lief ja mal wieder alles ganz schön glatt über die Bühne – bis dann bei den Gepäckfließbändern weit und breit keine Spur von weder meinem Gepäck noch von meinem Fahrrad ist. Alleine stehe ich mittlerweile unter dem Monitor auf dem „Istanbul to Ankara“ steht und starre auf das schon längst leere Fließband mit der Hoffnung, dass mein Gepäck vielleicht doch noch als Nachzügler auf das Fließband rollt. Ich mache mich auf den Weg zum Lost-Luggage-Schalter. Bei Pegasus (der Fluglinie, mit der ich geflogen bin) erkläre ich meine Lage und zeige meine Tickets von Berlin nach Istanbul und dem Anschlussflug nach Ankara. Der Angestellte scheint mich zu verstehen, sagt er kümmert sich darum, läuft aus seinem Schalter einmal durch die riesige Ankunftshalle bis zu einer Tür… Und verschwindet. Er hat scheinbar Feierabend, denn er kommt nicht wieder und auf Nachfrage bei einer anderen Fluggesellschaft wird mir erklärt, dass der Schalter für heute geschlossen sei. Ich setze mich erstmal hin und warte. Ein Schalter weiter brüllen sich ein Passagier und ein Angestellter an. Eine ganze Stunde (vielleicht länger, doch ich bin irgendwann gegangen). Der Tragegurt seiner Tasche scheint abgerissen worden zu sein. Sie stehen sich keine 50 cm entfernt gegenüber und ich sehe die Spuckefäden dem jeweils anderen ins Gesicht fliegen. Keiner der beiden scheint locker zu lassen – eine sehr skurrile Situation. Ich starte weitere Anläufe bei anderen Fluganbietern, werde quer durch den Flughafen geschickt und wieder zurück. Frage dann irgendein Sicherheitspersonal, das mich zu den internationalen Ankünften schickt (logisch, ursprünglich komme ich aus dem Ausland, doch wegen einem Zwischenstopp in Istanbul ist mein letzter Flug dann doch ein nationaler Flug gewesen). Doch von außen komme ich nicht rein. Und auch kein weiteres Personal, das mir weiter helfen könnte. Um ca 21h scheint der ganze Flughafen ausgestorben. Kurz darauf kommt dann auch Vincent am Flughafen an. Zusammen treiben wir dann doch noch jemanden auf, der uns zum Gepäck für die internationalen Flüge durchlässt. Und da, ganz alleine, drehen meine Taschen ihre Runden. Das Fahrrad steht in irgendeiner Ecke halb ausgepackt und unbeaufsichtigt. Ganz schön chaotisch! Doch jetzt habe ich alle meine sieben Sachen (das kommt tatsächlich in etwa hin, wenn man nur die Taschen zählt) und zur Feier der Wiedervereinigung gönnen wir uns ein Taxi ins Hostel, in dem Vincent schon seit zwei Nächten untergekommen ist.

Im Hostel hat Vince bereits Bekanntschaft mit Luke gemacht. Er fährt von Schottland mit dem Fahrrad nach China. Es ist wirklich verblüffend wie verdammt viele Fahrradfahrer aus Europa man trifft, die sich auf den Weg nach Fern-Ost machen. Mittlerweile sind es schätzungsweise schon bestimmt über 20 Leute, denen wir auf der Straße oder in Hostels begegnet sind.

Über Ankara ist nicht viel zu sagen. Und wenn es eine Sache gibt, dann wohl, das es eine wirklich hässliche Stadt ist, die auf uns wirkt, als sei sie nahezu ausschließlich auf zweckmäßige und massenhafte Menschenunterbringung ausgelegt. Dementsprechend größer als erwartet ist die Stadt auch.

Dennoch dürfen wir einen wundervollen Sonnenuntergang im historischen Kern der Stadt erleben. Auf den Mauern der Zitadelle blicken wir über die Stadt, doch aufgepasst: Wer auf den groben Steinen stolpert, fällt tief, wirklich tief. Eine Konstruktion, wie sie in Deutschland nie im Leben auch nur annähern erlaubt wäre, denn es gibt keine Geländer, keine Sicherheit. Nur dich, die ca 2 Meter breite Mauer, den Hang und dann noch immer wieder die Menschengruppen, die versuchen, sich aneinander vorbei zu schieben. Da aber nichts passiert ist, dann doch ein schöner Ausklang unseres Ankara-Aufenthaltes, denn am nächsten morgen geht es weiter. Und für mich nach echt langer Zeit mal wieder aufs Fahrrad…