Langsam kein Bock mehr auf die Türkei

Der Vansee

Kurz bevor wir den Vansee erblicken, landen wir in Ercis, der letzten großen Stadt vor der iranischen Grenze, denn wir haben nicht vor den Umweg nach Van zu fahren. Da noch immer das Embargo gegen den Iran verhängt ist und deshalb MasterCard, Visa und Co in diesem Land keine Chance haben, was für uns bedeutet, wir können im Iran weder mit Karte zahlen, noch Bargeld abheben, müssen wir schon jetzt alles Bargeld abheben, das wir für den Iran benötigen. Ein Land, das mehr als 4mal so groß ist wie Deutschland und somit noch größer ist als die Türkei – für uns nahezu unmöglich einzuschätzen, was wir benötigen werden. Doch eins steht fest: Sich auf die geizige Naivität von Vincent einzulassen, war ein scheiß Fehler (Seine Einstellung: Wenn wir wenig dabei haben, können wir nur wenig ausgeben. Was dabei unbedacht blieb: Es hilft uns nichts nur wenig ausgegeben zu haben, wenn wir dann mitten im Iran stehen und nicht mal mehr wenig haben, das wir ausgeben können, sondern einfach gar nichts mehr. Natürlich vertreten wir beide die Auffassung, dass sich für alle Probleme eine Lösung finden lässt, doch – hochgerechnet auf die Zeit die wir im Iran voraussichtlich bleiben werden und das Geld, das wir bisher ausgegeben haben – nur 1/5 an Geld abzuheben, von dem, was wir bisher für eine solche Zeitspanne gebraucht haben, ist mit dumm recht gut umschrieben). Jetzt noch versuchen irgendwo die abgehobenen Lira zumindest zum Teil in Euro einzutauschen, denn Euros abheben scheint nach dem 7. Automaten, den wir aufsuchen, hier nicht möglich zu sein (In Kappadokien zum Beispiel war es das) und noch ein paar (ca. 50 Meter) Schnüre und Drähte gekauft, um dann am Abend am Vansee ein großes Floß zu bauen. Den Plan mussten wir leider verwerfen, denn auch nach langer Suche stellen wir fest, dass es absolut keinen einzigen Baum an der Küste gibt.

Der letzte Abend

Ich bin total hypt auf Wasserfälle. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Wasserfall gesehen, zumindest keinen richtigen, und so habe ich während meinem Aufenthalt in Berlin (zwischen Istanbul und Ankara) mir die Lage von allen Wasserfällen in der Türkei angeguckt. Leider lag keiner von ihnen wirklich auf unserem Weg – keiner, bis auf der Wasserfall bei Muradiye. Doch auch hier wieder gilt für mich, dass zu große Vorfreude große Enttäuschungen hervorbringen kann, somal die Bilder auf Google nicht mal so krass aussehen. Nichts desto trotz überlegen wir uns, was einen letzten Abend in der Türkei perfekt machen würde. Und so sehr wir versuchen so wenige der doofen deutschen Klischees zu verkörpern (wir tragen keine Sandalen mit Socken, Lederhosen oder essen morgens, mittags und abends Wurst mit Sauerkraut und haben sogar erst einmal Kartoffeln gekocht – vor allem aber, weil das auf unserem Campingkocher wirklich lange dauert; wir lachen unverhältnismäßig viel über blöde Sachen und in den unangebrachtesten Situationen – uns kann wirklich niemand vorwerfen, wir wären pragmatisch und hätten keinen Humor), ist unser Durst nach Bier in den letzten Tagen deutlich angestiegen. Je weiter wir nach Osten gereist sind, desto religiöser, strenger und restriktiver wurde die Türkei. In Kayseri haben uns die jungen Studenten, bei denen wir unter gekommen sind, geraten beim T-Shirt wechseln im 6. Stock die Vorhänge zuzuziehen. Etwas später wurde Vincent von einem alten Mann mit seinem Stock geschlagen, weil er mit kurzer Hose an einem Platz saß. Die Frauen wurden immer verschleierter, die Muezzins immer lauter, der Ramadan immer strenger und das Bier immer rarer, bis es endgültig zu verschwunden zu sein schien. Das letzte Bier haben wir in Kappadokien gefunden und jetzt so kurz vor der Grenze nach Iran, wo Alkohol (zumindest offiziell) komplett verboten ist, machen wir uns dann ehr weniger Hoffnung. Doch siehe da, wir finden tatsächlich einen Kiosk der auf Leute wie uns ausgelegt zu sein scheint. Leute, die die Grenze nach Iran passieren wollen und sich jetzt zum letzten mal für längere Zeit noch ein frisches Bier gönnen wollen. Für jeweils drei Bier zahlen wir mehr, als für die letzten fünf Malzeiten zusammen, denn Bier ist hier unverschämt teuer. Gerne erinnern wir uns zurück an die Tage in Serbien oder Bulgarien, wo 2 1/2 Liter Flaschen 90 Cent gekostet haben.

Doch genug vom Bier. Kommen wir zurück zum Wasserfall. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, sie wurden sogar übertroffen. Genüsslich trinken wir unsere Biere, quatschen ein bisschen über unsere Vorstellungen vom Iran und machen uns am nächsten morgen früh auf den Weg in Richtung Grenze (nachdem wir uns den Wasserfall nochmal ohne die ganzen Touristen angeschaut haben, denn es scheint ein beliebtes Picknicks-Tagesausflugs-Reiseziel für viele Einheimische zu sein). Ob unsere Vorstellungen vom Iran sich bestätigen werden, könnt ihr dann im nächsten Blogeintrag lesen 😉